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Vorwort
Inhalt
1.Einleitung
2.Grundlagen für die Planung
3.Verkehrslärm
4.Gewerbelärm
5.Freizeit- und Sportlärm
5.1Gesetzliche Grundlagen
5.2Berechnungs- und Beurteilungsgrundlagen
5.2.1Sportanlagenlärmschutz­verordnung (18. BImSchV)
5.2.2Hinweise zu Abständen zwischen Sport- und Wohnanlagen
5.2.3Freizeitlärm-Richtlinie
5.2.4VDI 3770: Emissionskennwerte von Schallquellen –
Sport- und Freizeitanlagen
5.2.5Geräusche von Trendsportanlagen sowie Hinweise
zu Abständen zur Wohnbebauung
6.Lärmminderungspläne / Lärmaktionspläne
7.Hinweise für die Planung
8.Literatur
9.Thematische Websites
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FREIZEIT- UND SPORTLÄRM
   
 5.2.1 Sportanlagenlärmschutzverordnung (18. BImSchV)

Die SPORTANLAGENLÄRMSCHUTZVERORDNUNG (18. BImSchV) vom 18. Juli 1991 gilt für die Errichtung, die Beschaffenheit und den Betrieb von Sportanlagen, soweit sie nicht einer Genehmigung nach § 4 BImSchG bedürfen. Sportanlagen sind dabei ortsfeste Einrichtungen, die zur Sportausübung bestimmt sind und zu diesem Zweck betrieben werden (nicht z. B. Kinderspielplätze oder freizeitsportliche Aktivitäten auf Wegen und Freiflächen). Zur Sportanlage zählen auch Einrichtungen, die in einem engen räumlichen und betrieblichen Zusammenhang stehen (z. B. Parkplatz, Gaststätte).

Die 18. BImSchV sieht Immissionsrichtwerte für die Errichtung und den Betrieb von Sportanlagen vor, die unter Einrechnung der Geräuschimmissionen anderer Sportanlagen nicht überschritten werden sollen (Tabelle 5/1).

Nutzungen

tags

nachts

 

außerhalb
der Ruhezeiten

innerhalb
der Ruhezeiten

innerhalb der lautesten vollen Stunde

Gewerbegebiete

65

60

(50)*

Kern-, Dorf-, Mischgebiete

60

55

45

Allg. Wohngebiete,
Kleinsiedlungsgebiete

55

50

40

Reine Wohngebiete

50

45

35

Kurgebiete, Krankenhäuser,
Pflegeanstalten

45

45

35

*nächtliche Werte in Gewerbegebieten nur, wenn dort Wohnungen vorhanden sind

Einzelne kurzzeitige Geräuschspitzen dürfen diese Werte tags um nicht mehr als 30 dB(A) und nachts um nicht mehr als 20 dB(A) überschreiten.

Zusätzlich sind innerhalb von Aufenthaltsräumen in Wohnungen, die baulich, aber nicht betrieblich mit der Sportanlage (z. B. im Bereich von Wohnkomplexen) verbunden sind, tags 35 dB(A) und nachts 25 dB(A) als Immissionswerte vorgesehen. Einzelne Spitzen dürfen die letztgenannten Werte um nicht mehr als 10 dB(A) überschreiten.

Die Zeiten sind wie folgt festgelegt: Der Tag umfasst werktags die Zeit von 6.00 bis 22.00 Uhr, an Sonn- und Feiertagen 7.00 bis 22.00 Uhr. Die übrige Zeit wird als Nacht behandelt. Ruhezeiten sind werktags von 6.00 bis 8.00 Uhr und von 20.00 bis 22.00 Uhr. An Sonn- und Feiertagen betragen die Ruhezeiten 7.00 bis 9.00 Uhr und 20.00 bis 22.00 Uhr und zusätzlich mittags von 13.00 bis 15.00 Uhr. Diese Mittagsruhe ist nur zu berücksichtigen, wenn die Nutzungsdauer der Sportanlage an Sonn- und Feiertagen zwischen 9.00 und 20.00 Uhr mindestens 4 Stunden beträgt.

Ausnahmen von den Bestimmungen und Anordnungen sind möglich, wenn die von der Sportanlage ausgehenden Geräusche durch ständig vorherrschende Fremdgeräusche überlagert werden. Die zuständige Behörde kann auch Betriebszeiten (außer bei Frei-bädern und Schulsportanlagen) festsetzen. Von einer Festsetzung der Betriebszeiten ist abzusehen, wenn die Immissionswerte nur selten überschritten werden. Als seltenes Ereignis gelten Überschreitungen, wenn sie an höchstens 18 Kalendertagen im Jahr auftreten und einen Veranstaltungscharakter haben. Für internationale oder nationale Sportveranstaltungen von herausragender Bedeutung (z. B. Spiele der Champions und Europa League) gelten zusätzliche Ausnahmen.

Bei seltenen Ereignissen darf die Überschreitung von Immissionsrichtwerten nicht mehr als 10 dB(A) betragen, wobei keinesfalls tags außerhalb der Ruhezeit 70 dB(A), innerhalb der Ruhezeit 65 dB(A) und nachts 55 dB(A) überschritten werden dürfen. Einzelne kurzfristige Geräuschspitzen dürfen diese Werte tags um nicht mehr als 20 dB(A) und nachts um nicht mehr als 10 dB(A) überschreiten.

In einem Anhang enthält die Verordnung das Ermittlungs- und Beurteilungsverfahren. Neben den von der Sportanlage und ihren Einrichtungen ausgehenden Geräuschen sind gegebenenfalls auch die Verkehrsgeräusche auf öffentlichen Verkehrsflächen außerhalb der Sportanlage zu berücksichtigen und gesondert zu betrachten, wenn das Verkehrsaufkommen der Anlage zuzuordnen ist.

Aus Stärke, Dauer und Häufigkeit der Geräusche werden der Beurteilungspegel und der Maximalpegel einzelner Geräuschspitzen ermittelt. Die Beurteilung erfolgt für die unterschiedlichen Zeiträume (außerhalb oder innerhalb von Ruhezeiten). Nachts ist sie für die ungünstigste volle Stunde durchzuführen. Treten während der Beurteilungszeit unterschiedliche Emissionen auf, sind entsprechende Teilzeiten der auftretenden Geräusche zu betrachten. Die Impulshaltigkeit von Geräuschen (z. B. Aufprall von Bällen) wird durch einen Zuschlag im Beurteilungspegel berücksichtigt. Die Tonhaltigkeit und Informationshaltigkeit (z. B. Musikbeschallung, Lautsprecherdurchsagen) führen wegen der erhöhten Störwirkung zu Zuschlägen beim Beurteilungspegel von 3 dB(A) oder 6 dB(A).

Die Beurteilungspegel können sowohl durch Rechnung als auch durch Messung ermittelt werden, wobei bei neu zu errichtenden Sportanlagen die Geräuschimmissionen nach dem in Nr. 2 des Anhangs der 18. BImSchV beschriebenen Prognoseverfahren, bei bestehenden Sportanlagen in der Regel nach Nr. 3 des Anhangs durch Messung zu bestimmen sind. Wenn der Beurteilungspegel durch Messungen ermittelt wird, ist zum Vergleich mit den Immis-sionsrichtwerten der um 3 dB(A) verminderte Beurteilungspegel heranzuziehen. Hierdurch soll zugunsten des Anlagenbetreibers den mit Messungen verbundenen Unsicherheiten Rechnung getragen werden.

Bei älteren Sportanlagen, die vor 1991 (Inkrafttreten der 18. BImSchV) errichtet wurden oder baurechtlich genehmigt waren, soll die zuständige Behörde von einer Festsetzung von Betriebszeiten absehen, wenn die in Tabelle 5/1 genannten Immissionsrichtwerte um weniger als 5 dB(A) überschritten werden (Altanlagenbonus). Dies gilt jedoch nicht für inzwischen baulich veränderte oder umgenutzte Teile einer solchen Sportanlage. Auch für geplante Nutzungsänderungen (z. B. die Umwandlung eines Kleinspielfeldes in ein Beachvolleyball-Spielfeld) gelten die oben genannten Richtwerte. Dieses Privileg kommt allerdings auch erst dann zum Tragen, wenn bauliche, technische und organisatorische Maßnahmen unter Berücksichtigung des Verhältnismäßigkeitsgrundsatzes die Einhaltung der eigentlichen Immissionsrichtwerte nicht gewährleisten.